Tipps zum Irlen-Syndrom


1. Wenn Sie zu einem Irlen-Screening oder -Diagnose gehen, sollte sich Ihr Stoffwechsel in keinem außergewöhnlichen Zustand befinden. Alles was Ihren Stoffwechsel beeinflusst kann sich auf die Untersuchung auswirken und ggf. verfälschen. Hierzu zählen u.a. die Einnahme von Antibiotika, die Umstellung Ihrer Ernährung oder besondere Stressphasen. Warten Sie also erst die Umstellungsphasen bzw. Behandlungszeiten ab und gehen Sie erst danach zu einer Irlen-Diagnose. Detaillierte Informationen erfragen Sie bitte bei Ihrem Irlen-Diagnostiker.

Diese Tipps können den Besuch eines Heilpraktikers oder Arztes nicht ersetzen.


2. Kinder mit Schreib- leseschwäche geben häufig ganz eigensinnige Erklärungen ab, warum sie nicht gerne lesen oder warum z. B. Zahlen verdreht aufgeschrieben werden. Bitte beachten Sie, dass die visuelle Wahrnehmung nur zu einem sehr geringen Teil bewusst erlebt wird. Das Sehen geschieht sozusagen "automatisch" und wird erst einmal so angenommen wie es ist. Dem Kind ist also nicht bewusst, dass sich, wenn es von der visuellen Wahrnehmungsstörung Irlen-Syndrom betroffen ist, Buchstaben und Zahlen in Bewegung erscheinen und deshalb auch das Schriftbild dementsprechend chaotisch aussieht. Allerdings kann sich das Kind in eine Erklärungsnot befinden, weil die verantwortlichen Erwachsen (Eltern, Erzieher und Lehrer) ja eine gute Entwicklung ihres Kindes erwarten. Setzen Sie Ihr Kind nicht unter einem Leistungsdruck, sondern geben Sie ihm die Hilfe, die es ihm erlaubt,  eine "normale" Wahrnehmung" zu erleben . So kann es sich entwickeln, um das zu "leisten", was seinen individuellen Fähigkeiten und Begabungen entspricht. Und auch das muss nicht immer mit den Vorstellungen der Erwachsenen übereinstimmen.


3. Die Frage, ob das Irlen-Syndrom eine psychische Erkrankung oder das Symptom einer psychischen Erkrankung ist, wird mitunter kontrovers diskutiert. Es steht außer Frage, dass traumatische Ereignisse schwere psychische Störungen initiieren und auf der körperliche Ebene erkennbare Spuren hinterlassen können. Wenn das Irlen-Syndrom also das Ergebniss eines Traumas oder einer psychischen Störung sein soll, wie einige vermuten mögen, warum tritt das Irlen-Syndrom auch nach Hirnverletzungen auf? Hier liegt ja erst einmal auf der organischen Ebene eine Verletzung vor. Die Erfahrungen von Irlen-Betroffenen hat zudem gezeigt, dass sich u. a. die Ernährung auf das Irlen-Syndrom auswirken kann. Die Einnahme von Medikamenten und aktuelle Erkrankungen verändern die visuelle Wahrnehmung ebenso. Das sind alles stoffwechselabhängige Faktoren.

Ich selber habe durch keine Psychotherapie oder körperorientierte Therapie die Irlen-Syndrom-Störungen auflösen können. Kein Psychopharma hat das Irlen-Syndrom bisher heilen können. Hochdosierte Nährstoffpräperate, insbesondere die, die für den Gehirnstoffwechsel und das Sehen benötigt werden, haben bei mir hingegen positive Ergebnisse erzielt. In der Regel verbesserte sich hierdurch meine Sehvermögen und die IS-Merkmale traten nicht so intensiv auf. Auch das sind Hinweise auf eine Stoffwechselstörung.

Wenn also gewisse stoffwechselbedingte Faktoren das Irlen-Syndrom beeinflussen können, und das ist eine deutlich andere Sichtweise auf diese Störung, dann können sich natürlich auch Stress und psychische Störungen auf das Irlen-Syndrom auswirken. Weil psychische Belastungen den Stoffwechsel verändern.

John J. Ratey, Proffesor für Psychiatrie an der Havard Medical School schreibt: "Viele Aspekte des menschlichen Seins, die früher der Umwelt, Erziehungsfehlern oder einem frühkindlichen Trauma angelastet wurden, werden heute zu Recht als Fehlfunktion des Gehirns erkannt. Wir wissen heute, daß Autismus, eine Erkrankung, die früher auf eine gefühlskalte Mutter zurüchkgeführt wurde, der Extremfall eines Entwicklungsmusters ist, dessen Ursachen mit dem sozialen Umfeld kaum zu tun haben. (Quelle: John J. Ratey, Das menschliche Gehirn, Eine Gebrauchsanweisung)

Der Kultursender arte berichtet über eine neue Gesetzgebung:
2012 hat Frankreich den Autismus zur nationalen Sache erklärt. Das französische Jahr des Autismus beginnt mit einem erbitterten Streit darüber, ob die Therapie mit Hilfe der Psychoanalyse der richtige Weg ist.
Für die französischen Psychiater ist heute kein guter Tag. Die oberste französische Gesundheitsbehörde (Haute Autorité de Santé) hat heute ihren Bericht zur Therapie von Autismus veröffentlicht. Ergebnis: die Psychoanalyse und die institutionelle Psychotherapie haben keinen bewiesenen Einfluss bei der Begleitung autistischer Menschen. Damit sind diese Praktiken aber nicht offen verurteilt, die Gesundheitsbehörde gibt lediglich erzieherischen Methoden und Verhaltenstherapie, die auf systematischen Einübung von sozialen Kompetenzen setzen, den Vorzug. Den Elternverbänden, die seit Jahren verlangen, die Psychoanalytiker von der Autismus-Therapie auszuschliessen, geht das nicht weit genug. Hérade Feist und Alexis de Favitski haben eine Familie begleitet, die auf Verhaltenstherapie setzt.  Hier geht es zum Filmbeitrag ...

Wenn Sie an einer psychotherapeutischen Sitzung teilnehmen, wird der Therapeut sie vielleicht fragen, wie Sie eine bestimmte Situation wahrnehmen. Tatsächlich meint er nicht die Wahrnehmung mit den Sinnesorganen – in der Regel will er wissen, wie Sie die Situation emotional verstehen. Er fragt also nach Ihren Gefühlen, spricht aber von Wahrnehmung. Allein diese irrtümliche Verwendung des Begriffs Wahrnehmung, macht das Konfliktpotenzial in einer Therapiesitzung deutlich, wenn der Begriff Wahrnehmung nicht richtig definiert ist, bzw. für die Interpretation von emotionalen Empfindungen fälschlicherweise verwendet wird. Ein Klient mit Wahrnehmungsstörungen wird so immer in die emotionale Schublade gesteckt werden, aus der er mit Hilfe des Therapeuten nicht herauskommt, so lange dieser nicht differenziert diagnostiziert und therapiert. Wieso in diesem Bereich der Begriff Wahrnehmung häufig für den Begriff "Empfindung/Fühlen" verwendet wird, ist mir nicht bekannt. Es ist aber aus meiner Sicht ein schwerwiegender Fehler, den es zu korrigieren gilt, weil die therapeutische Begleitung für Menschen mit Wahrnehmungsstörungen wünschenswert ist. Und deshalb sind hier Therapeuten gefragt, die wissen von was sie da sprechen.


Diese Tipps können den Besuch eines Heilpraktikers oder Arztes nicht ersetzen.