11. 3D-Störung (Visuelles Merkmal des Irlen-Syndroms)
Die Fähigkeit des dreidimensionalen Sehens kann bei dem Irlen-Syndrom stark eingeschränkt sein. Aber was genau passiert bei der 3D-Störung, der Schwierigkeit, räumlich zu sehen? Die Figur links im Bild wird bei einer funktionierenden visuellen Wahrnehmung das Auto und den Baum in den jeweiligen räumlichen Abständen gut erkennen können.
3D-Störung, Irlen-Syndrom

Die zweite Grafik zeigt, was beim sogenannten Irlen-Syndrom (bei einer besonders starken Ausprägung/Autismus)  mit den Bildinformationen der Objekte passieren kann. Die durch das Licht fragmentieren Bildinformationen bewirken, dass sich die Objekte nicht mehr an ihren tatsächlichen, unterschiedlichen räumlichen Positionen zu befinden scheinen. Die Bildinformationen der Objekte scheinen sich auf eine eingeschränkte räumliche Ebene zu befinden. Diese Ebene ist hier Orange gekennzeichnet. Innerhalb dieser Ebene, die unterschiedlich in Ihrer Position und Ausdehnung sein kann, scheinen sich nun alle Objekt in einer fragmentierten Form zu befinden. Anders ausgedrückt, der unendliche Raum reduziert sich auf wenige Meter bzw. Zentimeter. In diesem Bereich scheint sich alles, was gesehen wird – also auch kilometerweit entfernte Objekte – zu befinden. Die gesamte (Wahrnehmungs-) Welt befindet sich in dieser orangenen Irlen-Ebene. Alles Äußere hat sich dort hin komprimiert. Das dreidimensionale Sehen hat sich zu einem chaotischen, zweidimensionalen Sehen entwickelt.
Weil sich hier alle Wahrnehmungsfragmente zusätzlich permanent in Bewegung befinden, stellt diese Irlen-Ebene eine undurchdringliche Wahrnehmungswand dar. Für den Betroffenen gibt es auch nichts anderes, als diese eingeschränkte Welt. Auch wenn es sich nur um eine Art optische Täuschung – verständlich ist, dass Menschen mit Formen des Autismus, bei denen das Irlen-Syndrom in der Regel stark ausgeprägt ist, diese Wahrnehmungswand nicht durchdringen können, um in der normal erscheinenden, äußeren Welt zu "funktionieren". Irlen-Filter sind in der Lage, einen Weg aus dieser autistischen Wahrnehmungswelt zu eröffnen, weil sie nach und nach Wahrnehmungsfragmente zusammenfügen und für den Betroffenen sich der Raum wieder vollständiger zeigt.

Die dritte Grafik zeigt nun vollständig, wie sich der gesamte Raum(Hellblau) auf eine Ebene (Orange) reduziert hat. Der Irlen-Syndrom-Betroffene, mit einem stark ausgeprägtem Irlen-Syndrom, nimmt also den gesamten Raum, seine ganze Umwelt auf dieser Irlen-Ebene wahr. Er kann diese Ebene nicht durchsehen, weil sich ja alles in dieser Irlen-Ebene befindet. Der dreidimemsionale Raum hat sich aufgelöst in farblose, sich bewegende Fragmente, die ihn scheinbar unmittelbar umgeben.

Irlen-Syndrom, Irlen-Ebene

 

Diese strukturlose, chaotische äußere Welt kann zu einer Eigenwahrnehmung führen, die ebenfalls ohne Struktur und chaotisch ist. An dieser Stelle noch einmal der Hinweis auf Ursache und Wirkung: Die durch die Lichtüberempfindlichkeit ausgelösten Sehstörungen (visuellen Wahrnehmungsstörungen) wirken sich auf die Eigenwahrnehmung aus, nicht umgekehrt.

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